Von der Gruppe zum Team

Vor kurzem erschien im Nürnberger Stadtanzeiger ein Interview mit unserem Trainer Andreas Spieler rund um die Themen Team und Teamtraining.

Wer sind denn die Menschen, die zu Ihnen zum Team-Training kommen?

Das ist ganz unterschiedlich. Von großen Firmen, die viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Mitarbeiter zu schulen, bis hin zu Familienunternehmen. In denen gibt es zurzeit meist einen Generationswechsel. Der patriarchalische Gründer tritt ab und junge Leute kommen mit neuen Ideen: Statt eines „allwissenden“ Chefs soll es ein Team geben. Die Hierarchien werden flacher, der Sinn des Tuns wird wichtiger.

Und dann verbringen Sie mit ihnen einen Tag im Klettergarten?

Natürlich gibt es praktische Übungen. Das kann der Hochseilgarte sein oder eine Bauaktion, bei der eine Seifenkiste gebastelt wird. Aber vieles verlagert sich auch in die Seminarräume. Wichtig ist, dass ich nicht als Experte im Mittelpunkt stehe. Ich bin eher Moderator. Jemand, der Perspektiven verändert und Probleme bearbeitbar macht.

Diese aber nicht löst?

Das geht im Rahmen eines Trainings nicht. Eine Gruppe wird nicht in zwei Tagen ein perfektes Team – das zu versprechen wäre unseriös. Aber sie kann sich auf den Weg dahin machen. manche Teams begleiten wir sogar über mehrere Jahre – solange sie eben als Team zusammenarbeiten.

Gibt es manchmal Leute, die keine Lust auf das Training haben?

Das kommt schonmal vor. Meist hilft es dann die Sorgen dieser Menschen anzuhören. Gerade Bedenkenträger haben ja eine wichtige Funktion im Team-Prozess, indem sie vor übereilten Entscheidungen warnen.

Gibt es einen entscheidenden Faktor, der ein Team wirklich gut macht?

Ja. Google hat das mit einer Studie herausgefunden. Die wissen ja praktisch alles über ihre Mitarbiter. Und sie habe ihre 350 besten Teams untersucht und ein emeinsames Merkmal gefunden. Es war weder Alter noch Geschlecht, noch Rollenverteilung – sondern „psychologische Sicherheit“. Wo jeder sich einbringen kann, ohne Angst zu haben, vom anderen unterdrückt zu werden, da läuft es am besten.

Das klingt ja nett und demokratisch. Aber kommt man nicht mit Egoismus und Latstärke auch sehr weit?

Wer sich selbst gerne reden hört und seine Meinung durchboxt, fährt auf kurze Sicht meist ganz gut damit. Weil er aus dem Team heraussticht und sich als Führungskraft etabliert. Aber auch solche Menschen können viel mehr erreichen, wenn sie andere mit ins Boot holen. Niemand kann die komplexen Probleme der Welt alleine lösen.

Was war für Sie in Ihrer Arbeit bisher die spannendste Team-Erfahrung?

Ich bin mit einer Gruppe über 60-jähriger auf den Kilimandscharo gestiegen. Die meisten standen auf dem Gipfel. Die Gruppe wurde durch dieses gemeinsame Ziel zu einem echten Team. Der Berg hat eine seltsame Eigenart: Kurz vor dem Gipfel wird vielen Leuten schlecht – auch erfahrenen Bergsteigern. Ich habe den einheimischen Guide gefragt, was es seiner Meinung nach braucht, um auf den Gipfel zu kommen. Die Antwort werde ich nie vergessen. Er sagte: Demut.