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Ein Kulturkreis lernt dazu

Unser Schulprojekt in einem Massai-Dorf bei Arusha

Wohl kaum ein Stamm hat unser Afrika-Bild - zumindest optisch - so sehr geprägt wie jener der Massai. Wir bestaunen als Touristen ihre bis heute archaische Lebensweise, die sich vor allem der Viehzucht widmet, und nehmen Sie wohl eher als Fotomotive denn als Hilfsbedürftige wahr. Im Alltag der Massai ist kaum Platz für Bildung, wie wir sie kennen und unseren Kindern verordnen. Zudem leben die Massai auf dem Land in weit verstreuten Dörfern, was einen Schulbesuch schon aus logistischen Gründen schwierig macht. Fußmärsche von täglich über 20 Kilometern, die die Kinder in Kauf nehmen müssten, um zum Unterricht zu gelangen, sind keine Seltenheit.

Gemeinsam mit unserem Stiftungsbeauftragten in Tansania, Meleck Lemomo, haben wir uns deshalb 2007 entschlossen, in einem Massai-Dorf rund 60 Kilometer außerhalb von Arusha eine Schule zu errichten. Meleck, selbst ein geborener Massai, kennt die Geißel der Bildungsarmut, von der vor allem die jungen Mitglieder seines Stammes betroffen sind, nur zu genau: "Ich wollte nicht mein Leben lang Kuhhirte sein. Aber meine kulturellen Fesseln abzustreifen und in einem normalen gewerblichen Umfeld Fuß zu fassen, das war ein äußerst steiniger Weg. Manchmal lebensbedrohlich, manchmal schier aussichtslos."

Anfangs gab es in "unserem" Massai-Dorf nur einen windigen Bretterverschlag, in dem die Kinder sporadisch unterrichtet und eine winzige Lehmhütte mit Feuerstelle, in der die Mahlzeiten ausgegeben wurden. Binnen eines einzigen Jahres ist die Schule rasant gewachsen. Insgesamt 152 Kinder (35 davon unterstützt durch persönliche Patenschaften unserer Spender) werden heute in dem großen, gemauerten Klassenraum unterrichtet. Die Pläne für eine weiteres Klassenzimmer werden zur Zeit in die Tat umgesetzt, außerdem entstehen ein Schulbüro, eine Küche und neue sanitäre Anlagen.

Die tansanischen Behörden haben die Schule im Januar 2008 staatlich anerkannt und einen weiteren Lehrer bereitgestellt. Durch wohlhabende Einheimische aus Arusha wurden wir gar mit einer Spende von umgerechnet 10.000 Euro unterstützt. Besonders stolz macht uns jedoch, dass die Schule von den Kindern und der Dorfgemeinschaft der Massai so hervorragend angenommen wird. Es zeigt, dass auch ein uns so fremder, geschlossener Kulturkreis sich öffnen kann und bereit ist dazuzulernen.

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