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Go Hubsi, we love you! Moralische Unterstützung beim RAAM 1992.

"Der sicherste Weg zur Ausgeglichenheit
führt über das Abenteuer"

Hubert Schwarz über seine Motivation, mit 54 noch einmal die Herausforderung RAAM anzunehmen

Hubert Schwarz muss sich eigentlich nichts mehr beweisen. Dreimal hat er als Solist das Race Across America (RAAM) schon erfolgreich absolviert, zweimal hat er im Sattel die Welt umrundet. Trotzdem nimmt der 54-Jährige im Juni 2009 den härtesten Radmarathon der Welt wieder in Angriff. Diesmal in einer Vierer-Mannschaft. „Perfektes Teamplay wird eine wichtige Rolle spielen“, sagt der  erfolgreiche Unternehmer und Extremsportler, „denn wenn beim RAAM nicht alle an einem Strang ziehen, bleibt der Erfolg buchstäblich auf der Strecke.“ Aber in diesem Rennen steckt für den erfahrenen Motivationscoach noch viel mehr: „Das RAAM ist wie das wirkliche Leben - voller Höhen und Tiefen. Diese Herausforderung im Zeitraffer zu bestehen, ist extrem schwierig, erzeugt aber auch große Glücksgefühle. Als Coach will ich meinen Mitstreitern helfen, die erforderliche Höchstleistung abzurufen und dieses außerordentliche Abenteuer durchzustehen.“

Die Faszination RAAM und wie man im Sattel über sich hinauswachsen kann, erklärt Hubert Schwarz im folgenden Interview.

Das Race Across America gilt als härtester Radmarathon der Welt. Fast 5000 Kilometer quasi nonstop zurückzulegen, ist extrem. Warum tun Sie sich dieses Rennen mit 54 noch einmal an?

"Mein Teamkollege Prof. Wolfgang Lenzen ist mit seinen 63 Jahren ja noch deutlich älter als ich! Das RAAM ist eben nicht wirklich eine Frage des Alters. Es geht vielmehr um festen Willen, um gründliche Vorbereitung und um die Fähigkeit, während des Rennens seine persönlichen Durststrecken immer wieder überwinden zu können. Wir wollen ja keinen Sieg einfahren, sondern im Team einfach nur unser Bestes geben. Das ist das Besondere am RAAM: Man muss es nicht gewinnen, um im Ziel überwältigt zu sein von Glücksgefühlen. Den eigenen inneren Schweinehund zu überwinden und im Team konsequent an einem Strang zu ziehen – darin liegt der Triumph."

Was erwartet Ihre Mitstreiter im Sattel und Ihre Crew zwischen West- und Ostküste?

"Geographisch betrachtet: ein tolles Landschaftserlebnis! Die Route führt durch Wüsten, über die Rockies und durch die endlosen Weiten des Mittleren Westens. Wir fahren selten auf Prachtboulevards, sondern meist auf Nebenstraßen. Die USA auf diese Weise zu durchqueren, ist einzigartig. Hitze, Kälte, Wind und vor allem das Fahren bei Nacht werden allen zusetzen. Für meine Mitstreiter im Sattel und mich stehen pro Renntag jeweils rund 180 km auf dem Programm. Das ist zwar wenig im Vergleich zu dem, was die RAAM-Solisten leisten müssen, aber immer noch hart genug. Entscheidend wird sein, dass jeder seine Ruhepausen im Wohnmobil optimal nutzt, um dann wieder richtig angreifen zu können. Die Crew muss exakt nach Routebook navigieren, die Fahrerwechsel koordinieren und den gesamten Tross rund um die Uhr in Schwung halten. Es ist ein anstrengendes Abenteuer – für jeden und zu jeder Zeit. Aber am Ende, da bin ich mir sicher, werden sich alle in den Armen liegen!"

Mit welchen Gefühlen kehren Sie selbst nach so vielen Jahren zum RAAM zurück?

"Ein bisschen sentimental werde ich schon sein. Als ich 1991 als erster Deutscher das RAAM erfolgreich bewältigte, hatte mir das zuvor niemand zugetraut. Ich war ein Nobody, und es war ein Höllenritt, permanent am Rand des Abgrunds. Aber ich glaubte trotz all der teils unglaublichen Strapazen zu jeder Sekunde daran, es schaffen zu können. So wurde das RAAM zu einem Schlüsselerlebnis für meine Karriere als Extremsportler und auch für meine Erfolge als Unternehmer. Diesem Rennen habe ich viel zu verdanken. Es hat mir die Augen geöffnet: Mit einem festen Glauben an sich selbst, mit konsequentem Handeln aus eigenem Antrieb und mit leidenschaftlichem Engagement lassen sich Ziele erreichen und Grenzen überwinden, an die man in der persönlichen Komfortzone nicht einmal zu denken wagt. Das soll aber nicht heißen, dass ich mich in Kalifornien – mit all meiner RAAM-Erfahrung – selbstzufrieden auf den Sattel schwingen werde ..."

... sondern eine neue Herausforderung suchen?

"Ja, ganz gewiss. Es geht immer darum, sich Ziele zu setzen und Taten sprechen zu lassen. Aber mit Mitte 50 kann man nicht mehr den heißspornigen Extremsportler geben. Deshalb fahre ich im Team und gebe als Coach gerne meine Erfahrungen an die Kollegen weiter.
Durch meine Motivationsvorträge habe ich im Lauf der Jahre viele Menschen gerade meiner Generation kennengelernt, die Abenteuern wie dem RAAM mit großem Interesse, aber gleichzeitig mit erkennbarer Ehrfurcht begegnet sind. Ich nenne das immer „die Angst vor dem eigenen Lebenstraum“. Wir wollen zeigen, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch eine solche Herausforderung annehmen und bewältigen kann. Meine Erfahrung ist: Der sicherste Weg zur Ausgeglichenheit führt über das Abenteuer!
Respekt vor meinen Teamkollegen - sie suchen bei diesem Rennen ihre Grenzen, wollen über sich hinauswachsen, Höchstleistung bringen. Ich finde, sie geben ein glänzendes Beispiel: Nur wenn wir Wagnisse eingehen, können wir unsere innere Balance und unser Selbstbewusstsein stärken. Und daraus den Antrieb für neue Ziele entwickeln."

Aber nicht jeder kann das RAAM fahren ...

"Ich sehe das RAAM auch nur als ein mögliches Abenteuer von vielen. Jeder muss sich seine Herausforderungen nach seinen eigenen Interessen und Begabungen suchen. Man sollte sich dabei aber nicht von vorneherein unterfordern, wie das viele aus Bequemlichkeit tun. Ein anderes gutes Beispiel, wie man durch Abenteuer über sich hinauswachsen kann, ist die Besteigung des Kilimandscharo. Ich habe viele Kunden des Hubert-Schwarz-Zentrums auf den höchsten Berg Afrikas geführt. Ob Manager, Hausfrau oder Rentner – die meisten sind nach dem langen Marsch zum 6000 Meter hohen Gipfel wie ausgewechselt. Glücklich eben. Und sie zehren nach eigenem Bekunden lange davon.