Leidenschaft erzeugt Leidenschaft.
Goethe
Die Kunst, Grenzen zu überwinden
"Power of mind" beherzigt den Grundsatz, dass in jedem von uns viel mehr Leistungsvermögen steckt, als wir vielleicht annehmen. Ein starker Wille und die richtige Balance zwischen Augenmaß und Wagemut lassen uns ehrgeizige Ziele erreichen und persönliche Grenzen überwinden. In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hat Hubert Schwarz die Hintergründe seiner Philosophie erläutert. Hier Auszüge aus dem Gespräch:
Was verstehen Sie unter Ihrer Theorie "Power of mind"?
Nun, es ist keinesfalls nur etwas Theoretisches. "Power of mind" basiert auf meinem persönlichen Lebensweg vom Sozialarbeiter über den Extremsportler zum mittelständischen Unternehmer. Und der Schlüssel zu meinen Erfolgen - im Sport wie im Wirtschaftsleben - lag immer im Vertrauen auf den eigenen Antrieb, der einen selbst und andere zu Höchstleistungen beflügelt.
In 80 Tagen um die Welt zu radeln, ist nicht wirklich eine Frage der Kondition. Ob man sich dazu überwinden kann, Tag für Tag 300 Kilometer im Sattel zurückzulegen, auch bei widrigsten äußeren Bedingungen - diese immer wiederkehrende Nagelprobe hat vor allem etwas mit mentaler Stärke, sprich "Power of mind", zu tun.
In welcher Weise hat sich durch den Extremsport Ihre Einstellung zum Leben verändert?
Als ich 1991 beim Race Across America, einem 5000 Kilometer langen Nonstop-Radmarathon von der West- zur Ostküste der USA, als erster Deutscher das Ziel sah, war ein Traum Wirklichkeit geworden. Gleichzeitig lernte ich, dass einem erfüllte Träume nicht in den Schoß fallen. Man muss sich konkrete Ziele setzen, hart dafür arbeiten, lernen, Durststrecken zu überwinden.
Dafür gab es keine bessere Schule als die ultralangen Distanzen, die ich im Sattel zurückgelegt habe. Mit den Kräften, die ich als gesunder Mensch selbst mobilisieren konnte, wollte ich aber auch anderen helfen und gründete 1998 mit meiner Frau Renate die Hubert-Schwarz-Stiftung. Deren Projekte für notleidende Kinder sind mir ebenso wichtig wie sportliche oder unternehmerische Erfolge.
Welche Botschaft wollen Sie vermitteln?
Grundsätzlich gebe ich nur das weiter, was ich selbst erlebt habe. Und daraus kann man ganz gewiss ableiten, dass in jedem von uns weitaus stärkere Kräfte schlummern, als wir selbst annehmen. Ich war nie mit überragendem sportlichen Talent gesegnet. Aber mein Wille und mein Trainingsfleiß trugen mich zweimal im Sattel um die Welt. Zugetraut hat mir das anfangs niemand. Und darum geht es: Wir müssen den Mut haben, Wagnisse einzugehen, Risiken zu nehmen, statt einer allgemeinen Vernunft zu folgen, die am Ende doch nur das tatenlose Zusehen oder die eigene Bequemlichkeit rechtfertigt. Damit rede ich nicht dem rücksichtslosen Egotrip das Wort.
Auch ein Team lebt von der Bereitschaft seiner Mitglieder, für ein gemeinsames Ziel über sich hinauszuwachsen und sich damit gegenseitig anzuspornen.
Was können Manager von einem Extremsportler lernen?
Bestimmt nicht, wie man mit unfairen Mitteln Erfolg erschwindelt! Als Einzelkämpfer im Sattel habe ich nie einen Gedanken an Doping verschwendet, sondern die "Tretmühle Radmarathon" immer als Parallele zum wirklichen Leben begriffen. Man lernt, ein großes, weit entferntes Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und gleichzeitig auf die vielen tausend kleinen Schritte zu achten, die notwendig sind, um es zu erreichen; und man spürt bei jeder Pedalumdrehung die Verantwortung, die auf einem lastet - für Team, Mitarbeiter und Unternehmen. Wer ein Leader sein will, muss diese Verantwortung verinnerlichen und glaubhaft vorleben, wie wichtig Handeln aus eigenem Antrieb ist.
Haben Sie Ihre Karriere als Extremsportler beendet oder haben Sie noch sportliche Ziele?
Natürlich muss man seine sportlichen Ziele dem Alter und anderen Lebensumständen anpassen. Jenseits der 50 und mit Rücksicht auf meine Familie, die viel hat entbehren müssen, jage ich keinen neuen Rekorden mehr nach. Heute verbinde ich Radsport gerne mit Bergsteigen. Gipfel, wie den Elbrus im Kaukasus oder den Aconcagua in den Anden, gehe ich im Sattel von Meereshöhe aus an. Wo die fahrbaren Wege enden, wechsle ich dann zur Bergsteigerkluft. Es sind gemäßigtere Ziele, aber der Wille, sie auch zu erreichen, ist ungebrochen.


