Interview mit Dr. Ralf Schneider

Interview: Keine Angst vor dem Fallen

Interview mit Dr. Ralf Schneider

Der „Beneflizz“-Radmarathon des Hubert-Schwarz-Zentrums wird 2017 begleitet von dem Motto „Next Generation“. Generationsübergreifend zu denken und zu handeln, dient aber nicht nur der guten Sache – es ist auch ein Gebot moderner und erfolgreicher Unternehmensführung. Einer, der sich als Spitzenmanager vorzüglich auf die Vernetzung von Alt und Jung versteht, ist Dr. Ralf Schneider, Group CIO der Allianz SE. Gemeinsam mit seinem Sohn Lucas (21) wird er beim „Beneflizz“ für den guten Zweck in die Pedale treten. Wir haben vorab schon einmal mit Dr. Schneider über das Thema „Next Generation“ gesprochen.

Dr. Ralf Schneider, worin sehen Sie das größte Potential der „Next Generation“?

Die vom Internet geprägte „Generation Y“ schafft es, viel länger und nachhaltiger neugierig zu sein. Auch wir Ältere waren neugierig als Jugendliche, aber das geht uns dann in der Schule, an der Uni oder spätestens im Beruf verloren. Die jungen Leute von heute gehen viel schneller neue Themen an. Sie sind ohne Scheu, wo meine Generation reserviert bleibt. Das merkt man im Job – und für Führungskräfte heißt das: Wir können und müssen dem Nachwuchs viel mehr zutrauen statt zu sagen: „Ihr könnt eigentlich nichts, ihr habt keine Erfahrung.“

Wir können und müssen dem Nachwuchs viel mehr zutrauen statt zu sagen: „Ihr könnt eigentlich nichts, ihr habt keine Erfahrung.“

Jungen Leuten muss man natürlich auch etwas bieten, sonst langweilen sie sich und bringen keine Leistung. Man muss ihre Aufmerksamkeit gewinnen – was scheinbar immer schwieriger wird. Oft werfen wir ja der Jugend vor, sie sei vor allem durch soziale Medien zu sehr abgelenkt. Das ist aber der falsche Blickwinkel. Vielmehr geht es darum, in der digital geprägten Welt den immer schärferen Wettbewerb um Aufmerksamkeit zu bestehen. Und die junge Generation versteht es, solche Aufmerksamkeit zu mobilisieren und dabei auch Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Davon können wir viel lernen, etwa wenn es darum geht, Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu motivieren oder Dienstleistungen und Produkte eines Unternehmens ins Bewusstsein von Kunden zu rücken.

Warum ist es so wichtig, dass Unternehmen generationsübergreifend denken?

Im Grunde ist es eine Überlebensstrategie, die die Fehler der über Zeit unbewusst erlernten Automatismen korrigiert. Wer den Führerschein macht, lernt quasi unbewusst, mit all den neuen Abläufen hinter dem Lenkrad und den äußeren Einflüssen umzugehen. Automatismen schleifen sich ein und man merkt gar nicht, dass man lernt. Wenn sich irgendwann später das Umfeld total verändert, wird das unbewusst Erlernte aber zum Stolperstein. Krasses Beispiel: Wäre da plötzlich ein Loch in der Straße, würden wir einfach hineinfahren – denn das Loch war ja vorher nicht da.

Wie wird man eine solche Haltung – im übertragenen Sinn – am besten los? Man unterhält sich mit jungen Menschen, die solche Probleme noch gar nicht haben! Siesind frei von den Automatismen, die nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit zu Fehlern führen.

Junge Menschen haben natürlich auch Grenzen, aber die sind anders gesteckt als bei uns Älteren. Wenn es zum Beispiel im Designthinking darum geht, etwas Neues zu kreieren, dann erzeugt die Interaktion zwischen Generationen die größte Diversity im Denken und die besten Lösungen.

Ist die digitale Transformation die größte Mauer zwischen den sogenannten Digital Natives und den den vorherigen Generationen?

Wenn man es als Mauer begreift, dann gilt es, sie einzureißen und eine Brücke zu bauen, die als Zweibahnstraße funktioniert: Die Älteren geben ihre Erfahrung an die Jungen weiter und müssen gleichzeitig offen dafür sein, von einem Schüler, dem man etwas beibringen will, auch etwas zu lernen. Das ist eine Brücke.

Von der älteren Generation bzw. von gewachsenen Unternehmen kann man zum Beispiel lernen: Wie steckt man Schläge ein, ohne gleich umzufallen? Die Jungen hingegen haben im digitalen Zeitalter Antworten auf die Frage: Wie ist man auf Märkten, gegenüber Kunden schnell adaptiv? Um jegliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern, müssen wir auch künftig alte und neue Stärken miteinander kombinieren. Es ist wie beim „Rumble In The Jungle“, dem berühmten Boxkampf zwischen George Foreman und Muhammad Ali 1974 in Zaire: Ali tanzte wie ein Schmetterling, war agil und treffsicher. In den Seilen hängend, steckte er aber auch die schweren Schläge seines Gegners weg. Am Ende gewann Ali durch K.o.

Wie erleben Sie die nächste Generation mit Ihren Kindern?

Sie sind eine Inspirations- und Lernquelle für mich. Vor kurzem hat mir mein 14-jähriger Sohn gezeigt, wie man eine Drohne fliegt. Für ihn war das offenbar ein Klacks, aber ich als Untrainierter musste viel Energie reinstecken, um das Ding in derLuft zu halten. Wenn man sich genau anschaut, wie die Jungen an eine Problemstelle rangehen, dann stellt man fest: Sie haben – im Gegensatz zu uns Älteren – keine Angst vorm Fallen.

Sie haben – im Gegensatz zu uns Älteren – keine Angst vorm Fallen.

Sie probieren etwas aus, scheitern vielleicht, verbessern es und versuchen es erneut. In unserer sich schnell verändernden Welt lernt man nur übers Hinfallen. Und auch große Unternehmen müssen ihre Fehler akzeptieren, offen adressieren, um möglichst schnell und viel daraus zu lernen.

Warum sind Events wie Beneflizz heute wichtiger denn je?

Beim Beneflizz geht es ja beispielhaft auch darum, Leute aus verschiedenen Bereichen zu integrieren. Dabei geht es nicht um ihr Wissen, sondern um ihr Können! Wissen kann man sich heute problemlos über Suchmaschinen aneignen. Um aber ein Event rund um 200 Räder und Teilnehmer perfekt zu organisieren, dafür muss man Könner zusammenbringen: Könner, die schnell und zuverlässig handeln; Könner, die nicht nur innerhalb einer Organisation vernetzt sind, sondern sich auch wie ein Subunternehmer problemlos integrieren. Das ist eine neue Spielwiese, und dafür sind junge Leute prädestiniert, weil sie das erforderliche Networking für die Beherrschung komplexer Szenarien fast schon blind beherrschen.

Und der Charity-Gedanke des Beneflizz ist für das Miteinander von Jung und Alt eine gute Übung. Wir chatten nicht bloß, sondern treten Seite an Seite kräftig in die Pedale, machen zusammen etwas Positives! Dabei denken die Älteren gewiss nicht an ihre Rente und die Jungen nicht an ihre Jobaussichten. Veranstaltungsformate wie das Beneflizz holen die Menschen aus ihren jeweiligen Netzwerken heraus und verbinden sie generationsübergreifend. Das ist cool!

Veranstaltungsformate wie das Beneflizz holen die Menschen aus ihren jeweiligen Netzwerken heraus und verbinden sie generationsübergreifend. Das ist cool!

 

Hintergrund: Vita Dr. Ralf Schneider

Dr. Ralf Schneider über Next GenerationDr. Ralf Schneider ist seit 2010 Group CIO der Allianz SE. Davor war er IT Vorstand der Allianz Managed Operations & Services SE (2010 – 2016) und CIO der Allianz Deutschland (2006-2010). Nach seinem Studium der Mathematik und einer Promotion in Informatik fing er 1995 bei der Allianz an.

Seit über 18 Jahren hält er führende Positionen im IT Bereich inne und war stets der jüngste in seiner Position. Er war u.a. Abteilungsleiter des Fachbereichs Informationssysteme Vertrieb und Fachbereichsleiter des Fachbereichs e-Business und Projektcontrolling Deutschland. Zusätzlich ist er Mandatsträger mehrerer Cyber Security Organisationen wie dem Cyber Security Sharing & Analytics e.V., der Deutschen Cyber Sicherheitsorganisation und dem Digital Society Institute.


Hinweis: Dieses Interview ist ein Exklusiv-Interview von Dr. Ralf Schneider in Verbindung mit dem Charity-Event „Beneflizz“ und dem Motto „Next Generation“. Das Kopieren des Textes in ganzen Sätzen oder Teilpassagen ist nicht gestattet!